Empfehlungen

Belletristik

Gabriele von Arnim: Das Leben ist ein vorübergehender Zustand

Gabriele von Arnim: Das Leben ist ein vorübergehender Zustand

Roman

Rowohlt Verlag

Gebunden, 240 Seiten, € 22,00

ISBN 978-3-498-00245-9

Ein Schlaganfall, zehn Tage später der zweite, haben ihren Mann aus allem herauskatapultiert, was er bis dahin gelebt hatte. Und aus ihr wird die Frau des Kranken. Wie liebt und hütet man einen Mann, der an dem Tag zusammenbricht, an dem man ihm gesagt hat, man könne nicht mehr leben mit ihm? Wie schafft man die Balance, in der Krankheit zu sein und im Leben zu bleiben? Gabriele von Arnim beschreibt in diesem literarischen Text, wie schmal der Grat ist zwischen Fürsorge und Übergriffigkeit, Zuwendung und Herrschsucht. Wie leicht Rettungsversuche in demütigender Herabwürdigung enden. Und Aufopferung erbarmungslos wird.

„Das Leben ist ein vorübergehender Zustand“ ist eine leidenschaftliche, so kühle wie zärtliche Erzählung eines bedrängten Lebens.

Juli Zeh: Über Menschen

Juli Zeh: Über Menschen

Roman

Luchterhand Literaturverlag

Gebunden, 416 Seiten, € 22,00
ISBN 978-3-630-87667-2

Dora ist mit ihrer kleinen Hündin aufs Land gezogen. Sie brauchte dringend einen Tapetenwechsel, mehr Freiheit, Raum zum Atmen. Aber ganz so idyllisch wie gedacht ist Bracken, das kleine Dorf im brandenburgischen Nirgendwo, nicht. In Doras Haus gibt es noch keine Möbel, der Garten gleicht einer Wildnis, und die Busverbindung in die Kreisstadt ist ein Witz. Vor allem aber verbirgt sich hinter der hohen Gartenmauer ein Nachbar, der mit kahlrasiertem Kopf und rechten Sprüchen sämtlichen Vorurteilen zu entsprechen scheint. Geflohen vor dem Lockdown in der Großstadt muss Dora sich fragen, was sie in dieser anarchischen Leere sucht.

Während Dora noch versucht, die eigenen Gedanken und Dämonen in Schach zu halten, geschehen in ihrer unmittelbaren Nähe Dinge, mit denen sie nicht rechnen konnte. Ihr zeigen sich Menschen, die in kein Raster passen, ihre Vorstellungen und ihr bisheriges Leben aufs Massivste herausfordern und sie etwas erfahren lassen, von dem sie niemals gedacht hätte, dass sie es sucht.

Juli Zehs neuer Roman erzählt von unserer unmittelbaren Gegenwart, von unseren Befangenheiten, Schwächen und Ängsten, und er erzählt von unseren Stärken, die zum Vorschein kommen, wenn wir uns trauen, Menschen zu sein.

Julia Phillips: Das Verschwinden der Erde

Julia Phillips: Das Verschwinden der Erde

Roman

dtv Literatur

Aus dem amerikanischen Englisch von Pociao und Roberto de Hollanda

Deutsche Erstausgabe, 376 Seiten, € 22,00
ISBN 978-3-423-28258-1

»Ein wunderreiches Debüt.« Klaus Brinkbäumer in ›DIE ZEIT‹

An einem Sommertag an der Küste Kamtschatkas verschwinden die russischen Schwestern Sofija und Aljona. Das Verbrechen erinnert an einen Vorfall nur Monate zuvor in der indigenen Bevölkerung. Wie eine düstere Wolke hängt der ungelöste Fall fortan über Kamtschatka und beeinflusst das Leben ganz unterschiedlicher Frauen in einer gespaltenen, männerdominierten Gesellschaft. Während das Netz zwischen den Einzelschicksalen dichter wird, hält die Suche nach den Mädchen die ganze Stadt in Aufruhr.
Brillant konstruiert und einfühlsam erzählt, entführt Julia Phillips uns in eine extreme und faszinierende Welt am Rande der Welt: in die graue Stadt Petropawlowsk, die spektakulären Weiten der Tundra und die Schatten schneebedeckter Vulkane.

Benjamin Myers: Offene See

Benjamin Myers: Offene See

Roman

Dumont Buchverlag

Übersetzung: Timmermann, Klaus; Wasel, Ulrike, 6. Aufl.

Gebunden, 270 Seiten, € 20,00
ISBN 978-3-8321-8119-2

 

Ausgezeichnet als »Lieblingsbuch der Unabhängigen« 2020!
Eine zeitlose und geradezu zärtliche Geschichte über die Bedeutung und Kraft menschlicher Beziehungen.

Der junge Robert weiß schon früh, dass er wie alle Männer seiner Familie Bergarbeiter sein wird. Dabei ist ihm Enge ein Graus. Er liebt Natur und Bewegung, sehnt sich nach der Weite des Meeres. Daher beschließt er kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, sich zum Ort seiner Sehnsucht, der offenen See, aufzumachen. Fast am Ziel angekommen, lernt er eine ältere Frau kennen, die ihn auf eine Tasse Tee in ihr leicht heruntergekommenes Cottage einlädt. Eine Frau wie Dulcie hat er noch nie getroffen: unverheiratet, allein lebend, unkonventionell, mit sehr klaren und für ihn unerhörten Ansichten zu Ehe, Familie und Religion. Aus dem Nachmittag wird ein längerer Aufenthalt, und Robert lernt eine ihm vollkommen unbekannte Welt kennen. In den Gesprächen mit Dulcie wandelt sich sein von den Eltern geprägter Blick auf das Leben. Als Dank für ihre Großzügigkeit bietet er ihr seine Hilfe rund um das Cottage an. Doch als er eine wild wuchernde Hecke stutzen will, um den Blick auf das Meer freizulegen, verbietet sie das barsch. Ebenso ablehnend reagiert sie auf ein Manuskript mit Gedichten, das Robert findet. Gedichte, die Dulcie gewidmet sind, die sie aber auf keinen Fall lesen will.

»Der unabhängige Buchhandel hat diesen wunderbar poetischen Roman über die Begegnung eines jungen Mannes mit einer verschrobenen Alten zum Buch des Jahres gewählt. Hochverdient!«
FOCUS

Joey

Bleakley, Jennifer Marshall: Joey – Wie ein blindes Pferd uns Wunder sehen ließ

Gerth Medien, 2020
Gebunden, 272 Seiten, € 17,00
ISBN 978-3-95734-657-5

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Sportpferd ist Joey der Traum eines jeden Pferdebesitzers. Doch eine Verletzung sorgt für das vorzeitige Karriereaus, und Joey wird von einem Besitzer zum nächsten weitergereicht. Am Ende findet man ihn in einem schäbigen Unterstand – verwahrlost, verängstigt und blind. In diesem Zustand kommt Joey auf „Hope Reins“ an, einer Pferderanch, die sich auf die Arbeit mit traumatisierten und psychisch belasteten Kindern spezialisiert hat. Hier blüht das geschundene Pferd auf und zeigt, was wirklich in ihm steckt. Denn die Veränderungen, die Joey bei den Kindern und Mitarbeitern bewirkt, grenzen so manches Mal an ein Wunder …

Eine wahre und zutiefst bewegende Geschichte über Treue, Freundschaft und Heilung, die aufzeigt, dass Gott ein Herz für die Zerbrochenen hat. Und dass es sich lohnt, ihm zu vertrauen und voller Zuversicht weiterzugehen.
Richard Auer: Reliquienraub

Richard Auer: Reliquienraub

Kriminalroman

Emons Verlag, April 2020
Taschenbuch, 288 Seiten, € 13,00
ISBN 978-3-7408-0764-1

Lakonisch, ironisch, genial kriminalistisch. Regionaler geht’s nicht.

Entsetzen in der Bischofsstadt Eichstätt: Die fahrlässig schlecht gesicherten Gebeine des heiligen Willibald sind von einem Erpresser aus ihrem Schrein im Dom geraubt worden, und die Rückgabe endet mit dem Tod eines Mittelsmanns. Während in der Stadt Prozessionen und Sühneandachten stattfinden, nehmen die Oberkommissare Mike Morgenstern und Peter Hecht die Ermittlungen auf. Schnell müssen sie feststellen: Es ist nicht einfach, Sünder, Heilige und Scheinheilige auseinanderzuhalten.

Delphine de Vigan: Dankbarkeiten

Delphine de Vigan: Dankbarkeiten

Roman

DuMont Buchverlag 2020
Gebunden, 176 Seiten € 20,00
Übersetzung: Heinemann, Doris
ISBN 978-3-8321-8112-3

Michka, die stets ein unabhängiges Leben geführt hat, muss feststellen, dass sie nicht mehr allein leben kann. Geplagt von Albträumen glaubt sie ständig, wichtige Dinge zu verlieren. Tatsächlich verliert sie nach und nach Wörter, findet die richtigen nicht mehr und ersetzt sie durch ähnlich klingende. Die junge Marie, um die Michka sich oft gekümmert hat, bringt sie in einem Seniorenheim unter. Der alten Frau fällt es schwer, sich in der neuen Ordnung einzufinden. In hellen Momenten leidet sie unter dem Verlust ihrer Selbstständigkeit. Doch was Michka am meisten beschäftigt, ist die bisher vergebliche Suche nach einem Ehepaar, dem sie ihr Leben zu verdanken hat. Daher gibt Marie erneut eine Suchanzeige auf, und Michka hofft, ihre tiefe Dankbarkeit endlich übermitteln zu können.

Klarsichtig und scharfsinnig zeigt Delphine de Vigan, was uns am Ende bleibt: Zuneigung, Mitgefühl, Dankbarkeit. Und zugleich würdigt sie in ‚Dankbarkeiten‘ all diejenigen, die uns zu den Menschen gemacht haben, die wir sind.

Ein zartes, berührendes, poetisches Buch über die Begegnungen, die unser Leben prägen, über Hoffnungen, aber auch Versäumnisse und Ängste – und Dankbarkeit.